Interview mit Peter Dür, 10. September 2008 Lucerne
Marathon 2008 Wie ist der aktuelle Trainingsstand
der Asthmagruppe? Wir sind mit 12 Teilnehmern gestartet und hatten bereits früh
drei Dropouts zu beklagen. Von den verbliebenen 9 Läufern haben zurzeit 3 Probleme mit dem Bewegungsapparat.
Betroffen sind vor allem die unteren Extremitäten, das heisst: Fuss, Knie und Hüfte. Wir müssen sehen,
ob wir diese Probleme lösen können. Es wird umso schwieriger, je näher der Wettkampf rückt. Die
übrigen 6 Läufer sind aus meiner Sicht in der Lage, den Marathon zu «finishen». Keine Probleme gab es
mit dem Asthma. Gibt es einen persönlichen Check-up, dem sich
die Teilnehmer am Tag des Starts unterziehen sollten? Man muss sich gesund fühlen,
das heisst man sollte kein Fieber und keine Erkältung haben, oder schon vor dem Start hinken. Oft ist
es allerdings nicht einfach, den aktuellen Gesundheitszustand einzuschätzen. Erfahrungsgemäss fühlt
man sich die letzten zwei Wochen vor dem Wettkampf nicht so fit: Das Training wird heruntergefahren,
plötzlich bekommt man Unlustgefühle, man fängt an zu zweifeln oder es zieht einen in der Wade. Diese
Symptome stammen häufig von der Nervosität. Es ist aber schwierig, sie von echten Beschwerden zu unterscheiden.
Wie sieht die letzte Trainingsphase aus? Zwei
Wochen vor dem Marathon trainiert man noch einmal intensiv. Dann absolviert man alle zwei Tage ein kurzes
Training, um sich in Schwung zu halten. Während dieser Zeit haben Körper und Geist genügend Zeit, sich
zu erholen und anschliessend Überdurchschnittliches zu leisten. Welche
Asthmatiker trainieren in der Gruppe? Wir haben ausschliesslich Betroffene mit
leichtem bis mittelschwerem persistierendem Asthma. Bei allen Läufern ist die Erkrankung gut kontrolliert. Lässt
sich das aktuelle Trainingsniveau mit dem Asthma-Schweregrad assoziieren? Nein.
Es gibt Läufer mit einer stärker eingeschränkten Lungenfunktion, die im Verlauf über weniger Probleme
geklagt haben und sich heute in einem besseren Trainingszustand befinden als solche, die ein leichteres
Asthma haben. Welche Sportarten eignen sich neben dem Laufen
für Asthmatiker? Geeignet sind vor allem Intervall- und Indoor-Sportarten, wie
Volleyball, Basketball und Handball. Radfahren ist ebenfalls gut geeignet. Aufgrund der kalten, trockenen
Luft weniger geeignet ist Langlauf. Wie sieht der optimale Marathonaufbau
für Asthmatiker aus? Der Aufbau ist der Gleiche wie für Nicht-Asthmatiker. Ziel
ist es, durch zunehmend längere Läufe die Grundlagenausdauer langsam aufzubauen. Später kommen intensivere
Einheiten dazu, das heisst Intervalltrainings im mittleren Intensitätsbereich und Wettkämpfe. Bei all
diesen Trainings geht es darum, das eigene Marathontempo zu finden – also die Geschwindigkeit, die man
3 bis 4 Stunden durchhält. Sind Tools wie Polar-Uhr und Vicsystem®
unerlässlich für den Marathonaufbau? Es geht auch ohne diese Tools, aber man trainiert
dann häufig qualitativ schlecht. Wenn man gezielt in den richtigen Bereichen und in der richtigen Zyklisierung,
das heisst in der korrekten Abfolge von Belastung und Entlastung trainiert, kommt man viel weiter. Wie
häufig haben Sie bei den Teilnehmern Check-ups durchgeführt? Wir haben im Anschluss
an das Kick-off Meeting einen initialen Check durchgeführt, gefolgt von zwei Leistungstests über die
Trainingsperiode. Vor dem Marathon nehme ich noch einen Schlusscheck vor. Zur Sicherheit beinhaltet
dieser auch einen Lungenfunktionstest. Welche Anpassungen der
Asthmamedikation waren während des Marathonaufbaus nötig? Wir haben nur wenige
Änderungen vorgenommen. Es ging vor allem um Anpassungen, die für das Training praktikabler waren, beispielsweise
weil die Medikamente flexibler eingesetzt werden konnten. In letzter Zeit haben wir bei allen Läufern
eine sehr stabile Situation. Wie wichtig waren die Gruppenzugehörigkeit
und das Gruppentraining? Sehr wichtig, wahrscheinlich wären sonst viele Teilnehmer
ausgestiegen oder hätten nicht mehr regelmässig trainiert. Bereits an den E-Mails hat man gemerkt, wann
es wieder Zeit war für einen gemeinsamen Anlass. Es sind diese Events, die zu dem Gruppengefühl führen.
Man sieht sich, kann Probleme austauschen. Man will dabei sein, will das gemeinsame Erlebnis nicht verpassen.
Die SOP Nr. E-0182 |