Das
Asthma tritt in den Hintergrund Vier
Monate nachdem die Asthmatiker mit dem Training für den Lucerne Marathon begonnen haben, zieht Dr. Peter
Dür, betreuender Sportmediziner, Bilanz. Die Asthmagruppe
trainiert seit 4 Monaten für den Lucerne Marathon. Wie sieht die Zwischenbilanz aus? Die
Zwischenbilanz fällt positiv aus. Wir sind mit 12 Teilnehmern gestartet und hatten in der Zwischenzeit
zwei «Dropouts». Eine jüngere Teilnehmerin hat den zeitlichen Aufwand unterschätzt und konnte aufgrund
der schulischen Belastungen nicht regelmässig trainieren. Ein weiterer Teilnehmer musste das Projekt
beenden, weil sich während des Trainings ein Hüftproblem manifestiert hat, das bis dahin unentdeckt
geblieben war. Wir haben aber von Anfang an mit einer «Dropout Rate» von dreissig Prozent gerechnet
und sind aus diesem Grunde mit zwölf Teilnehmern gestartet. Unser Ziel ist es, mit acht bis zehn Personen
in das Ziel zu laufen. Sind in den vergangenen Monaten auch
Probleme mit der Grunderkrankung, Asthma bronchiale, aufgetreten? Einige Teilnehmer
haben sich in der Winterzeit eine Erkältung zugezogen, was teilweise zu einer Verschlechterung des Asthmas
geführt hat. Insgesamt bin ich aber erstaunt, denn die Asthmaproblematik ist eher in den Hintergrund
gerückt. Die Hauptprobleme betreffen den Bewegungsapparat. Das kommt daher, dass sich die Teilnehmer
über Jahre nie eine solche Belastung zugetraut haben. Nun adaptieren sich Herz und Kreislauf viel schneller,
während der Bewegungsapparat deutlich länger braucht. Sind
die bisherigen Gesundheitsprobleme an den Wettkämpfen oder während des Trainings aufgetreten? Im
Anschluss an die Wettkämpfe hatten wir keine Probleme zu verzeichnen. Wir haben uns immer sehr gut eingelaufen
und die Läufer haben ihre Leistungen an ihr Trainingsniveau angepasst. Probleme sind eher durch das
wiederholte regelmässige Lauftraining entstanden, was die Teilnehmer aufgrund der Vorgeschichte noch
nicht gewöhnt waren. Um den Bewegungsapparat zu schonen, habe ich den Betroffenen geraten auf individuelle
Trainingsarten wie Biken, Skaten oder Crosstraining zu wechseln. Bei einigen Läufern haben wir Anpassungen
bei den Trainingsschuhen vorgenommen oder das Stretching intensiviert. Eine Entlastung des Bewegungsapparates
kann darüber hinaus durch ein optimales Körpergewicht erzielt werden. Hier besteht noch Potenzial, weshalb
wir das Thema Ernährung im Rahmen eines Referates noch einmal speziell aufgreifen. Wie
gut können die Teilnehmer ihren Trainingszustand einschätzen, insbesondere wenn es darum geht sich für
die Wettkämpfe anzumelden? Bis jetzt haben wir den Wettkampfplan vorgegeben und
sind dabei von einer Steigerung ausgegangen. Den Auftakt hat der Zürcher Sylvesterlauf mit einer Distanz
von 8,6 Kilometern gebildet, gefolgt vom Bremgartner Reusslauf mit 10,5 Kilometern. Das nächste Ziel,
der Grand Prix in Bern mit 16 Kilometern und Steigungen ist ein recht grosser Sprung. Als letzter Wettkampf
vor dem Lucerne Marathon folgt der Greifensee-Lauf, ein Halbmarathon. Wird
sich nach dem Halbmarathon abzeichnen, ob die Teilnehmer wirklich bereit sind für den Lucerne Marathon? Mit
zunehmender Länge wird sich abzeichnen, ob die Teilnehmer genügende Kapazität haben. Das heisst nicht
nur, wie schnell jemand laufen kann, sondern auch welche Distanz. Es ist eine Frage der Kapazität, ob
jemand 7 Kilometer oder 21 Kilometer in einer bestimmten Durchschnittgeschwindigkeit laufen kann. Der
Halbmarathon wird uns diesbezüglich bereits zeigen was möglich ist. Ob man schlussendlich den Marathon
läuft, ist aber eine Frage des Kopfes, wie auch Viktor Röthlin sagt. Das
nächste Nahziel ist der Grand Prix in Bern. Sind die Teilnehmer fit? Heute Abend
sehe ich einige Läufer wieder, die in der Vergangenheit Probleme mit dem Bewegungsapparat hatten. Alle
Teilnehmer sind für den Grand Prix (GP) in Bern angemeldet und ich bin sicher, dass sie auch starten
werden. Der Wettkampf läuft etwas anders ab, als der in Bremgarten. Die Strecke geht teilweise über
Kopfsteinpflaster und sie hat zwei Steigungen, von denen besonders die Letzte sehr happig ist. Auf diese
Besonderheiten müssen sich die Läufer nun in ihren Trainings vorbereiten. Die neue Herausforderung wird
sie aber auch einen Schritt weiter bringen. Was ist das Ziel
des heutigen gemeinsamen Gruppentrainings? Das Hauptziel ist sicher einmal, alle
Teilnehmer wieder zu sehen und Erfahrungen auszutauschen. Natürlich dienen solche Treffen auch zur gegenseitigen
Motivation, man sieht sich und wird erneut auf das gemeinsame Ziel eingestimmt. Der zweite wichtige
Punkt ist das gemeinsame Training mit Viktor Röthlin. Wenn man von einem weltbekannten Marathonläufer
vermittelt bekommt, wie man sich richtig auf einen Marathon vorbereitet, ist das bestimmt ein ganz spezielles
Erlebnis. Es scheint, als sei das Asthma kaum noch ein Thema? Hier
zeigt sich eben, dass die Medikamente heute so potent sind, dass das Asthma bei richtigem Einsatz der
Präparate kein Problem mehr darstellt. Das ist letztendlich auch die Message des Projekts. Allerdings,
das muss man auch sagen, bleibt die respiratorische Einschränkung der Läufer trotz der Therapie bestehen.
Diese ist sichtbar und hörbar. Die gute Krankheitskontrolle und die nahezu fehlenden Symptome führen
aber dazu, dass sich die Läufer nicht mehr mit ihrer Erkrankung sondern mit ihren Leistungen beschäftigen.
SOP-PROM Nr.-E-0169 (Internet) / 30.07.08 |