Am Ende stehen unbezahlbare Emotionen «Wie
ein neues Leben» Sie sind zwischen dreissig und fünfzig
Jahre alt und teilen miteinander zwei Dinge: das Ziel 2008 den Lucerne Marathon zu laufen trotz ihrer
chronischen Atemwegserkrankung. Fehlt nur noch die nötige Motivation. Für die sorgt der international
bekannte Marathonläufer Viktor Röthlin. Niemand
weiss besser von den Höhen und Tiefen eines Marathonlaufs zu erzählen, als jemand der sie am eigenen
Leib erfahren hat. Von der «Faszination Marathon» spricht Viktor Röthlin, als er die 12 Läuferinnen
und Läufer am Kick-off Meeting auf die bevorstehende Trainingssaison einstimmt. Die Gruppe hat sich
ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: Die Teilnahme am Lucerne Marathon 2008. Das Vorhaben klingt noch ambitionierter,
wenn man berücksichtigt, dass die Teilnehmer an einer chronischen Asthmaerkrankung leiden. Die Geschichte des Marathon Das
Sprichwort «Nach der Saison ist vor der Saison» markiert den Beginn der neuen Trainingsperiode und damit
die spannende Zeit der Vorbereitung. «Marathon ist wie ein neues Leben, das wir von jetzt an entdecken»,
sagt Viktor Röthlin. Besonders die Erfahrung an die Grenzen der eigenen körperlichen
Leistungsfähigkeit zu stossen, wertet der international bekannte Schweizer Leichtathlet als grossen
Gewinn. Dass die körperliche Herausforderung nicht zu unterschätzen ist, zeigt
der Mythos vom Marathon, der bis in das antike Griechenland
zurückreicht. In der Schlacht bei Marathon 490 v. Chr. standen die Streitkräfte Athens einem überlegenen
persischen Heer gegenüber. Dennoch gingen die Athener unverhofft als Sieger aus der Schlacht hervor.
Sogleich sandten sie den Boten «Pheidippides» in das 40 Kilometer entfernte Athen, um die Nachricht
vom Sieg zu überbringen. Der Läufer verkündete die frohe Botschaft, anschliessend brach er zusammen
und starb. An den Olympischen Spielen in Athen 1896 wurde der Marathon in
Anlehnung an den legendären Lauf von Pheidippides erstmals als Wettkampfdisziplin durchgeführt. Ursprünglich
umfasste die Strecke 40 Kilometer. Erst 12 Jahre später, an den Olympischen Sommerspielen in London,
wurde die Distanz – angeblich auf Wunsch der englischen Königin – auf die heute gültige Streckenlänge
von 42,195 Kilometer geändert. Der
Weg zum Erfolg Die nötigen Grundvoraussetzungen für das Marathonlaufen
sind ein funktionierender Körper, angemessene Kleidung und die richtigen Schuhe. Eine wichtige Rolle
spielt auch das persönliche Umfeld: nur wenn die Familie das Vorhaben unterstützt und der Job ein regelmässiges
Training zulässt, ist Marathonlaufen möglich. Vier weitere Punkte führen den
Sportler schliesslich zum Erfolg. Wie Viktor Röthlin betont, steht an erster Stelle «Laufen, Laufen,
Laufen»! Für jemanden, der die gut 42 Kilometer ohne eine feste Zeitvorstellung
zurücklegen möchte, bedeutet das wöchentlich drei bis vier Lauftrainings, beziehungsweise vier bis sechs
Trainingsstunden mit umgerechnet dreissig bis fünfzig Kilometern. Um die Distanz in weniger als drei
Stunden zu laufen, ist ein wesentlich intensiveres Training mit mehr als acht Wochenstunden nötig. Verschiedene
Mosaiksteine, wie regelmässige Krafttrainings, mentales Motivationstraining sowie ausreichende Regenerationsphasen
fügen sich zu einem weiteren Punkt zusammen. Den dritten und vierten Punkt bilden allgemeingültige Regeln.
So rät Viktor Röthlin den Teilnehmern nichts zu erzwingen und trotz der zusätzlichen Belastung das Leben
nicht zu vergessen: «Wenn ihr das Gefühl habt, keine Zeit für Familie, Freizeit oder Freunde zu haben,
werdet ihr die Balance verlieren». Der
unverkäufliche und unbezahlbare Lohn am Ende eines Marathon Bedenkt man
die andauernden körperlichen Höchstleistungen, die ein Marathonläufer erbringt, stellt sich die Frage
nach dem Lohn? Auf einen Medaillengewinn, so wie Viktor Röthlin an den Leichtathletik Weltmeisterschaften
2007 in Õsaka (Bronze) oder gar den Sieg wie im Februar 2008 am Tokio-Marathon, dürfen nur ganz wenige
hoffen. Ebenso wenig besteht der Preis aus materiellen Gütern oder aus den zusätzlichen Lebensjahren,
die man durch das intensive Training gewinnt. «Das was ihr zurückbekommt sind Emotionen, unbezahlbare
Emotionen», sagt der Spitzensportler. Das Gefühl am Ende eines Marathons beschreibt er als so überwältigend,
dass er den Teilnehmern prognostiziert: «Ihr werdet Sachen machen, für die ihr euch im Nachhinein vielleicht
schämt». P-0142 / 28.02.2008 |